Kochen Hören – Ein Hörspiel


Projektbeschreibung


Kochen Hören
– Ein Hörspiel:



Durch meine langjährige Tätigkeit als Koch kam mir mit der Zeit immer mehr ins Bewusstsein, dass der Hörsinn beim professionellen Kochen eine wesentliche Rolle spielt.
Wie schaffe ich es beispielsweise, einen Gulaschansatz zu machen, nebenbei einen Kalbsjus, zeitgleich diverse Schneid- und andere Vorbereitungsarbeiten zu erledigen, ohne dass mir die Zwiebel des Gulaschansatzes anbrennt und ohne dass ich dauernd nachsehen muss?
Da ich eben höre, wann die Flüssigkeit der Zwiebel verdampft ist, sie im Fett zu rösten beginnt, ich somit öfter umrühren muss, bis diese die richtige Farbe hat, um Gewürze, Fond, Fleisch etc. beizugeben, um mich dann wieder anderen Aufgaben widmen zu können.
Im Gegensatz dazu: Wenn ich in diesem Fall die Zwiebel rieche, ist es ohnehin schon zu spät und ich kann wieder von vorne anfangen. Somit richtete sich meine Konzentration immer intensiver auf das Hören beim Kochen, und die Grundidee, ein Hörbuch darüber zu machen, nahm immer mehr Gestalt an. Zudem fiel mir auf, wie spannend und spezifisch diese Geräusche sind, wenngleich sie beim Zuhörer die unterschiedlichsten Reaktionen auslösen – bei den Schmatzgeräuschen beim Ausweiden eines Wildhasen, beim Zerhacken eines Ochsenschlepps u. Ä. wird manchen Leuten der Brechreiz kommen, andere werden es spannend, um nicht zu sagen erotisch finden, wieder andere vielleicht einfach nur langweilig. Das Frittieren von Petersilie wird einige vorerst erschrecken, andere möglicherweise begeistern … Assoziationsmöglichkeiten gibt es also ohne Ende – das Ganze ist überaus spannend, solange man es nicht zu sehr erklärt.

Um ehrlich zu sein: Erste Versuche meinerseits, beim Kochen die Geräusche selbst aufzunehmen und später etwas zu überarbeiten, scheiterten … wie auch Thomas Wingrichs erster Low-Budget-Versuch, das Ganze einfach auf ein Diktafon zu sprechen. Mit Stephan Baumeckers Sprecherkabine und Wissen um Aufnahmetechnik ging’s dann schon besser.

Zu meinem Glück stieß ich dann Sommer 2011 auf Lenja Gathmann als Tonmeisterin, die meine Grundidee verstand, sie auch für interresant hielt, und mit der ich seitdem eine sehr gute Zusammenarbeit habe. Laurine Betz ist eine weitere Bereicherung als Sprecherin.

Aus Interessse an einer eigenständigen englischsprachigen Version – also keiner reinen Synchronfassung –, bekam ich, dank Helene Scharka vom „Vienna’s English Theatre“, Kontakt zu Howard Nightingall und Melanie Preston, sowie zu John Nicholson als kompetenten Übersetzer.

Die Auswahl der Gerichte ist von ihrem eigentlichen Inhalt aus gesehen willkürlich – schließlich geht es ums Hören und nicht um Kochanleitungen.
Auch wenn von etlichen Leuten die Nachfrage nach einer visuellen Dokumentation existiert, wird es beim „regressiven Grundgedanke“ des Hörspiels bleiben.


Wien, September 2012